Leerstand belegen- Wie wärs mit besetzen?

mehr und mehr menschen werden aus dem innenstadtring verdrängt. die miete steigt, das einkommen ist viel zu niedrig. wer nicht in schlechtbezahlten jobs seine lebenszeit verplämpert, hat stress mit hartz 4, oder stellt tag um tag fest, dass die rente nicht zum überleben reicht, geschweige denn zum leben. verhindern wir also unsre verdrängung, verhindern wir die verdrängung unserer freund_innen und nachbar_innen! stocken wir also unser einkommen auf! nehmen wir die einkommenserhöhung selbst in die hand! nehmen wir uns die leerstehenden wohnungen! nehmen wir uns die leerstehenden häuser!. gemeinsam an einem tag oder mehreren tagen wollen wir leerstand belegen und für uns und unsere nachbar_innen und freund_innen wieder nachbar_innen finden. und das nicht nur um die heizkosten zu senken.
wir wollen zu einer stimmungsveränderung beitragen. wir wollen dazu beitragen, dass sich die wut gegen das, was uns unsere lebenszeit klaut in widerstand gegen arbeit ausbeutung und profitmacherei kehrt. wir wollen dazu beitragen, dass aneignung von wohnraum als widerstand gegen privateigentum an wohnraum selbstverständlich wird. wir wollen dazu beitragen, dass aneignung von waren ganz breit organisiert wird. aneignung als antwort auf geld- und warengesellschaft.
die folgenden vorschläge für ein konzept „kampagne massenbesetzungen“ stammen von menschen aus verschiedenen gruppen, ersten versammlungen und veranstaltungen zu den leerstand-belegen-tagen. wir haben uns erlaubt alles zusammenzutragen und zu verflechten, was bislang so an ideen kam. und wenn wir im endeffekt nur wenige häuser oder wohnungen besetzen sollten, hätten wir dabei nicht nur eine unmenge voneinander gelernt. etwas bliebe, und das würde weiterschwelen bis es explodiert und hierzu wollen die tage der massenbesetzungen beitragen.
fangen wir mit einem tag an, vielleicht mit mehreren tagen. beginnen wir am 19.4.
- weisen wir durchaus auch weiterhin auf den leerstand hin. gehen wir aber auch einen schritt weiter. nehmen wir uns bspw. ein leerstehendes schulgebäude, dessen eigentümer, der senat seit jahren schon die verdrängung durch eine immobilienspekulanten freundliche wohnungspolitik immer weiter treibt. nehmen wir uns häuser von wohnungsbaugesellschaften wie gsw oder gewobag. nehmen wir uns auch wohnungen privater hauseigentümer_innen.
- besuchen wir die eigentümer_innen und ihre verwaltungen. belegen wir ihre büros und ihre ach so kostbare zeit. zeit ist für sie geld und genau das soll es sie kosten.
- weiten wir unsere bewegung über das thema miete und wohnen hinaus aus. besetzen wir von privatisierung bedrohte oder privatisierte öffentliche räume. seien wir massiv auf den strassen, plätzen und in den parks. seien wir die stadt und blockieren wir durch unsere massenhaftigkeit alle strukturen von kontrolle, überwachung und sicherheitssystemen.
- besetzen wir so viele ferienwohnungen wie möglich.mittlerweile sind es um die 12000 in der stadt und tendenz steigend. auch sie sind es, die den wohnraum in den kiezen verknappen und die mieten nach oben treiben.
- blockieren wir räumungen, verhindern wir zwangsumzüge, und wo uns das nicht gelingt, besetzen wir die entmietete wohnung unserer freundin gleich nach deren zwangsauszug oder ihrer zwangsräumung. laden wir dort zum tee oder zum bier ein, oder vielleicht gleich zu einer party.
- nehmen wir uns fabriketagen, ladenflächen und büroräume. öffnen wir sie als kommunikationszentren für uns und andere mieter_innen im kiez, machen wir sie zu unseren treff- und ausschwärmpunkten.
konkreter könnte das alles vielleicht folgendermaßen aussehen und was da an überlegungen bislang zusammenkam ist offen, kann erweitert werden aber auch vollkommen neu erfunden.
zunächst treffen wir uns in einem offenen plenum alle 2 wochen in den räumen des kotti e.v. um inhaltliches zu diskutieren und aktionen zu koordinieren. zeitversetzt dazu, in den jeweils anderen beiden wochen wird eine anlaufstelle im bethanien von 18-20 uhr besetzt sein. hier sollen infos ausgetauscht werden: wer sucht wohnungen, räume oder gar häuser, wer weiß von solchen. wer sucht leute für aktionen oder um zu besetzen.
- es soll in der nachbarschaft recherchiert und mobilisiert werden. in erster linie sollen in einer art vollversammlung personen, gruppen und delegierte aus den gruppen koordinieren was wird noch gebraucht, wer kümmert sich um gemeinsame transpi- malaktionen, wer besorgt werkzeug, wo bekommen wir material her, wie kommunizieren wir untereinander, woher bekommen wir essen und trinken, wie verteilen wir es in den temporären voküs an vielen orten in der stadt ?

- wir wollen alles zusammentragen und uns gemeinsam vorbereiten um spätestens ab dem 19.04. jeder_m die möglichkeit zu geben in unmittelbarer nachbarschaft vorbeizuschauen und vielleicht schon leute treffen, die gerade ein haus begehen.

zunächst wollen wir an zwei geplanten und im voraus veröffentlichten tagen leerstand belegen. dies kann in verschiedenen schwellen laufen.
- niedrigschwellig etwa mit einfachen transpiaktionen oder anderen symbolischen geschichten.
- es soll aber auch verbarrikadierte besetzungen geben. kleinere gruppen können das klandestin vorbereiten. delegierte aus den verschiedenen gruppen können sich ausserhalb des plenums über den stand ihrer aktionen austauschen, sich darüber austauschen, was an material, werkzeug, kommunikationsmittel transpis etc. noch zu organisieren ist.
- es soll aber eben auch massenbesetzungen geben, die offen angekündigt und in plenen organisiert werden. am angekündigten aktionstag selbst wollen wir uns an einem bekanntgegebenem ort sammeln. am ort dann das objekt ganz offiziell bekanntgeben, weitere orte verkünden die zu nehmen bereit stehen. zusammen hinströmen. das objekt oder die objekte sind bereits gesichert und geöffnet. all diese aktivitäten werden von der vorbereitungsgruppe organisiert, es sei denn bei den veranstaltungen ergäbe sich anderes.
- alle können aber mitmachen: entweder im haus, oder davor, oder mobilisierend im kiez. arbeitsgruppen sollten gebildet werden, die ebenso offen sind: material, werkzeug, transpis, kommunikation, vokü, mobilisierung, musik…
- natürlich erhoffen wir derartige verwirrung zu stiften, dass auch viele häuser klandestin besetzt sind und kaum mehr ein haus geräumt werden kann.
grundsätzlich: bei einer unterteilung in still, symbolisch und militant bedarf es keinerlei grundsatzdiskussion. einschätzungen was da alles angeblich unmöglich ist, sind so sinnlos wie blockierend. „kampagne massenbesetzung“ ist ein riesiges experiment. was dabei herauskommt wissen wir erst wenn sie anläuft.
- alle levels von niedrigschwelligen bis zu militanten aktionen sollen ihren platz haben. seien wir solidarisch mit allem was in solch breitem rahmen passiert. nichts soll von vornherein ausgeschlossen werden.

die öffentlichen massenbesetzungen sollen von einer arbeitsgruppe zunächst vorbereitet werden. die klandestinen besetzungen werden durch gruppen organisiert die sich jeweils für ein objekt verantwortlich fühlen.
- alle repressionslastigen aktivitäten sollten menschen mit erfahrung übernehmen. dennoch sollen diese vorbereitungsgruppen in weitestmöglicher transparenz kommunizieren was läuft und warum und warum nicht, und was anders gedacht werden muss – es sollte gruppenübergreifende arbeitsgruppen geben, die auch von leuten organisiert werden können, die nicht in die häuser wollen, die sich um material transpis plakate, plakatentwürfe, texte, vervielfältigung etc. kümmern. auch die mobilisierung soll von allen ausgehen und getragen werden.
- bereits lange vor den eigentlichen aktionstagen wollen wir grosse mobilisierungen in den kiezen wie kiezübergreifend versuchen. kiezinis, hausgemeinschaften etc. infotische, veranstaltungen, pressemitteilungen, kundgebungen, mobile kundgebungen und was uns noch alles zusammen einfällt. etwa menschen ansprechen und einbinden die in häusern wohnen, die wir besetzen wollen.
es soll keine spezialist_innen geben, die als pressemanager_innen oder profisprecher_innen fungieren oder auftreten. alles was das plenum veröffentlicht soll vom plenum diskutiert werden.
- um einen klaren zusammenhang und einen wiedererkennungseffekt herzustellen, soll es ein logo geben.
in erster linie wollen wir voneinander aktionsübergreifend und gruppenübergreifend mitbekommen was alles passiert. das alles läuft bestenfalls bei der pressegruppe zusammen, die dann über alle aktivitäten bescheid weiß, aber auch weiß, was herausgegeben werden darf und was nicht.
von der pressegruppe unterschieden kann es noch eine koordinationsgruppe geben, die allerdings nur für infoweitergabe zuständig ist, die also keinerlei entscheidungsgewalt hat; alle entscheidung liegt bei den plenen..
auch mittels einer mailadresse und blogseite können informationen für alle zugänglich gestaltet werden.
gemeinsam wollen wir überlegen, wie wir pressearbeit organisieren und antirepressionsstrukturen begleitend aufbauen.
- in ersten workshops im januar und märz wollen wir körperlichen widerstand und schutz gegen polizeigewalt üben. motto: „wie lassen wir uns nicht so einfach wegschubsen und wie schubsen wir zurück?“
- dazu soll es treffen zu repression mit erfahrenen anwält_innen geben.
- kiezversammlungen zum leerstand im kiez, kiezspaziergänge.
– die aktion ankündigen, plakate dazu mit termin des tages. dazu noch allgemeine plakate mit der ganzen woche.
- für konkret praktische anregungen und begleitung wird demnächst ein squatting- handbuch veröffentlicht, darin verschiedene arten von besetzungen skizziert, schnelle instandhaltungsmaßnahmen erörtert, auf rechtliche möglichkeiten und folgen hingewiesen, aber auch möglichkeiten gemeinsamen widerstandes aufgezeigt.

wir wollen eine offene struktur schaffen die von denen ausgestaltet werden soll, die zu den plenen kommen. was sich hier zusammenfindet soll sich nicht einfach in einer kampagne erschöpfen. was sich da zusammenfindet soll weit über den april hinaus gehen.
bereits jetzt aber wollen wir verschiedene möglichkeiten der mobilisierung experimentell ausprobieren. wir denken, dass wir nicht nur über plakate und flyer in von uns bestimmte orte einladen sollten. wir denken, dass wir dorthin müssen, wo die leute mit ihren problemen konfrontiert sind. wir wollen dorthin gehen, wo die wut tatsächlich ist und sie wird bei dem massiven angriff seitens senat und jobcenter sich möglicherweise in einer dimension steigern, wie sich das niemand von uns bislang hat träumen lassen. ab januar werden wir vor den jobcentern in kreuzberg und neukölln mit leerstandslisten stehen. wir wollen veranstaltungen und videokundgebungen vor den jobcentern organisieren.
- stille besetzungen sollen mit obdachlosengruppen vorbereitet werden. im anbetracht der künftig massiv zunehmenden zwangsumzüge, der jetzt schon fehlenden einrichtungen für obdachlose sind diese aktionstage einst angedacht worden. spätestens im frühjahr wird der senat eine ausführungsverordnung wohnen veröffentlichen, in der dann festgelegt sein wird, wie hoch die miete für hartz4– und transferleistungsbezieher_innen sein darf, bis zu welcher höhe das amt die miete noch übernehmen soll. die zahl der zwangsumzüge und zwangsräumungen im innenstadtringbereich wird damit enorm ansteigen.
- gemeinsam wollen wir eine struktur aufbauen, die zwangsräumungen verhindern soll. wo das nicht gelingt wollen wir die geräumten wohnungen sofort wieder besetzen. wir wollen eine infrastruktur aufbauen, die das ermöglicht: räume für möbel. räume für menschen. die mieten von etwa 72000 menschen liegen bereits jetzt über dem vom jobcenter bezahlten mietsatz. wir denken, dass wir nur ein oder zwei räumungen verhindern müssten und das gesamte politische klima in der stadt würde sich vollkommen verschieben.
- wer von zwangsumzügen und zwangsräumungen betroffen ist und wer etwas in welcher gestalt auch immer dagegen unternehmen will und wird, das erfahren wir nur dort wo die leute sind und das heißt dort, wo sie hinbeordert werden.
- bei infotischen vor den jobcentern soll aus den infos der menschen eine kleine zeitung entstehen, eine art blog, der sowohl in papierform wie im netz erscheinen soll. nicht jede_r verfügt über internet. menschen sollen sich in dieser zeitung mit ihren problemen wiedererkennen, sollen abr auch merken, dass sie nicht allein damit sind. sie sollen aber vorallem ganz konkret merken, dass widersstand möglich ist. sie sollen merken, dass widerstand bereits läuft. wenn sie wollen können sie selbst schreiben. wer nur seine infos abgeben will, dem schreibt eine art redaktion die meldungen für unsere zeitung. alle zwei wochen könnte eine solche zeitung erscheinen. freilich werden auch jedesmal unter unserem logo unsere aktionstage im april angekündigt.
- andererseits sollte eine art klandestiner vernetzung für stille besetzungen aufgebaut werden, dass stille besetzer_innen nicht isoliert von einander sind und dass sie nicht, ohne dass es jemand mitbekommt, abgeräumt werden können, dass auch hier widerstand ermöglicht wird.
über kontaktadressen, mailadressen, einen von uns betriebenen ort und über versammlungen soll all dies teils offen und öffentlich teils klandestin laufen.


1 Antwort auf „Leerstand belegen- Wie wärs mit besetzen?“


  1. 1 Blog-o-mat 07. Dezember 2011 um 17:03 Uhr

    Hi, das ist ein (automatisch erzeugter) Kommentar.
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